Der Cursor blinkt unter „Kompetenzen“, und zwei Instinkte ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Einer sagt: alles auflisten, was Sie je angefasst haben. Der andere: kurz halten, damit es nicht verzweifelt wirkt. Beide liegen daneben – nur in verschiedene Richtungen. Der Lebenslauf, der wirklich gelesen wird, liegt dazwischen: 8 bis 12 Kompetenzen, ungefähr 70 % Fachkompetenzen (Hard Skills) und 30 % soziale Kompetenzen (Soft Skills). Kein starres Limit, aber auch kein Tipp, den Sie ignorieren sollten: Recruiter und Bewerbermanagement-Software (oft „ATS“ genannt) belohnen diese Spanne – nicht, weil sie „beeindruckend“ aussieht, sondern weil sie scanbar und glaubwürdig bleibt.
Warum 8–12 – und nicht 20 oder 5
Weniger als sechs Einträge wirkt mager – als hätten Sie die Rubrik vergessen oder nichts zu bieten. Es kann auch bedeuten, dass exakte Schlagwörter aus der Stellenanzeige fehlen. Viele Systeme vergleichen Text mit der Anzeige, nicht mit dem, was Sie „eigentlich“ meinten. Steht dort „Stakeholder-Management“ und bei Ihnen nur „guter Kundenkontakt“, ist das für die Maschine ein Miss – auch wenn ein Mensch beides gleich liest.
Über etwa 15 hinweg kehrt sich das Problem um. Wer 25 Begriffe überfliegt, erkennt nicht, welche fünf wirklich zählen. „MS Office“, „Teamplayer“, „schnelle Auffassungsgabe“ lesen sich wie Füllmaterial. Einige ATS markieren ungewöhnlich lange, unscharfe Kompetenzlisten als Keyword-Stuffing – das kann schaden statt helfen.
8–12 hält Sie vollständig genug für den Scan, ohne die Unterschiede zu verwässern.
Je nach Phase: Berufseinsteiger oft 8–10 (Studium, Praktika, Projekte). Mit fünf bis sieben Jahren Berufserfahrung eher 10–12. Sehr technische oder leitende Profile manchmal 14–15, wenn jeder Eintrag ein echtes Tool oder eine Plattform ist – ein Data Engineer mit fünf Cloud-Tools stapelt nicht, sondern trifft fünf Suchanfragen.
Das Verhältnis 70/30: Fach- und Sozialkompetenzen
Von zehn Kompetenzen sind ungefähr sieben Fach-, drei Sozialkompetenzen sinnvoll – kein 50/50.
Fachkompetenzen sind spezifisch, lehrbar, prüfbar: SQL, Photoshop, Finanzmodellierung, Sprachen (siehe Sprachkenntnisse im Lebenslauf), AWS. Genau diese Begriffe stehen in Anzeigen – darauf matcht Software zuverlässig.
Soziale Kompetenzen – Führung, Kommunikation, Anpassungsfähigkeit – entscheiden im Job, lassen sich aus einer Liste allein aber kaum verifizieren. „Starke Kommunikationsfähigkeit“ allein beweist nichts.
Deshalb mehr Platz für Hard Skills. Reservieren Sie zwei bis vier Soft-Skill-Slots für Formulierungen aus der Anzeige – „schnittstellenübergreifende Zusammenarbeit“, „Konfliktlösung“ – statt generischer Adjektive. Steht eine Sozialkompetenz nicht in der Anzeige und haben Sie keine Puce dazu? Streichen Sie sie und setzen Sie eine Fachkompetenz ein.
Das Verhältnis verschiebt sich: Entwicklung oder Data Analytics eher 80/20. Vertrieb, Key Account, Beratung eher 60/40. 70/30 ist der Ausgangspunkt, keine Pflicht für jeden Lebenslauf.
Auswahl: von der Anzeige ausgehen
Markieren Sie in der Stellenbeschreibung jede Kompetenz, jedes Tool, jede Qualifikation – besonders unter „Anforderungen“ oder „Ihre Aufgaben“. Was Sie wirklich können und was die Anzeige verlangt, kommt in die Liste – mit den Worten der Anzeige („Suchmaschinenoptimierung“ und „SEO“, nicht „Marketing-Grundwissen“).
Ergänzen Sie Branchen-Basics, auch wenn die Anzeige sie nicht nennt. Data Analyst ohne Excel und SQL wirkt wie eine Lücke.
Streichen Sie, was niemanden unterscheidet: „MS Office“ bei einem Bürojob, „detailorientiert“ ohne Beleg, alles, wozu Sie im Gespräch nichts Konkretes sagen könnten. Generische Adjektive schaden dem ATS-Score – sie sind nicht nur nutzlos.
Gewohnheit: Jede Kompetenz in der Liste sollte im Kontext in einer Erfahrungs-Puce wieder auftauchen. Steht „Google Analytics“ nur in der Liste, wirkt es wie ein angehängtes Schlagwort. Ein Zusatz in einer bestehenden Puce („über GA den Kanal mit 60 % der Anmeldungen identifiziert“) reicht oft.
Beispiel: zehn Kompetenzen im Verhältnis 70/30
Marketing-Koordination, aus einer realistischen Anzeige:
Kompetenzen: SEO, Google Analytics, HubSpot, E-Mail-Marketing, A/B-Tests, Content-Strategie, Canva, Schnittstellenarbeit, Stakeholder-Kommunikation, Priorisierung von Projekten
Sieben Fach-, drei Sozialkompetenzen – alles aus der Anzeige, kein „Teamplayer“, kein generisches Office-Paket.
Kompetenzen vs. Tools
Im deutschen Lebenslauf trennen manche Fachkompetenzen (Lieferantenverhandlung, Monatsabschluss) und Tools (SAP, Power BI). In Simple CV können Sie eine gemeinsame Liste führen – bleiben Sie bei 8–12 Einträgen gesamt. Excel, „Tabellenkalkulation“ und „Microsoft Office“ dreifach zu zählen bringt dem ATS nichts.
Pro Bewerbung anpassen
Stellenanzeige in ein Dokument kopieren, Anforderungen markieren, Reihenfolge der Kompetenzen so setzen, dass die ersten sichtbaren Zeilen auf Seite 1 zur Anzeige passen. Sie brauchen nicht 25 verschiedene Listen – oft reichen zwei bis drei andere Begriffe und eine neue Sortierung.
In Simple CV legen Sie Kompetenzen einzeln an: hinzufügen, löschen, sortieren – ohne einen Absatz neu zu formatieren. Bei der Jobsuche gibt es genug Unsicherheit; Anzahl und Mischung der Kompetenzen müssen keine davon sein.
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